Dienstag, 7. Februar 2006
Mein erster Schultag
daito, 00:24h
Hallo ihr lieben,
hier bekommt ihr meinen zweiten "Schweden-Newsletter". Ich war
Donnerstag und Freitag zum ersten Mal in der Uni (also
studienmässig meine ich) und muss sagen, dass sich der Uni-Alltag
etwas von dem einer deutschen Uni unterscheidet.
Zunächst einmal ist es üblich den Professor zu "Duzen". Es gibt
zwar im Schweden auch das Du=Du und das ni=Sie, nach der "Du-Reform"
im letzten Jahrhundert, geht man aber wohl ziemlich zügig bzw.
sofort zum Du über. Der Umgang in den Kursen ist um einiges weniger
autoritär und vielmehr freundschaftlich und hilfsbereit. Die
Schweden haben im Gegensatz zu den Deutschen schon längst erkannt,
dass die wichtigste Ressource in ihrem Land "Know-How" heisst.
Demzufolge wird auch entsprechend in die Bildung investiert und
Sprüche wie "faules Studentenpack" sind hier glaube ich viel
seltener zu hören als irgendwo sonst.
Wie ich es bisher mitbekommen habe, scheint der Schwede an sich
auch viel stärker "sozialisiert" zu sein. Soll heissen die Familie,
oder genauer der Nachwuchs wird hier viel höher gehandelt als
vielleicht woanders - Bei nur 9 Millionen Einwohnern in ganz
Schweden wird kein Potential verschenkt, wie es Jan afaik mal
ausdrückte. So ist auch jeder Schwede daran interessiert, sich
selbst bestbringend in die Gesellschaft zu integrieren, sei es im
Job oder als Freiwilliger.
Insgesamt ist die Atmosphäre also als sehr angenehm zu bezeichnen.
Individualisten sind hier glaube ich viel seltener vertreten, was
sich natürlich auch in der Mode niederschlägt. Über 80% der
Schwedinnen sind momentan anhand ihrer engen Jeans und braunen
Stiefeln über der Hose zu erkennen.
Trotz des recht hohen Anteils von "Internationals" wie wir
Austauschstudenten uns nennen von etwa 1500/30000 Studenten, sind
Immigranten äussert selten zu finden.
Probleme wie man sie von der Marktstrasse in Menden oder vom Hbf in
Bochum kennt, sind hier also einfach mal *völlig* unbekannt.
Wer hier einer Schwedin einen sexistischen Spruch drücken würde,
wird wahrscheinlich einfach am nächsten Baum aufgeknüpft, und ich
halte es nicht für unwahrscheinlich, dass an dieser Tat zum
Grossteil Frauen beteiligt sein werden - Gleichberechtigung sieht
hier halt etwas anders aus *g*
So sieht auch eine Polizeistation etwas anders aus. Während man in
Deutschland manchmal über die "Mäuschen" in Dienstjacke lacht, habe
ich in der Polizeistation in Lund ausschliesslich Frauen in
leitenden Position gefunden. Die Männer sind quasi nur fürs "grobe".
A pro pro Polizei: Unsere Nachbar WG ist gestern albernderweise mit
einer Spielzeug-Pistole durch die Stadt gegangen. Dauert nicht lang,
bis 4 Polizisten in feinster SEK-Manier die jungs darauf
aufmerksam gemacht haben, dass das ja nicht so eine schlaue Idee
war. ;-)))
Securities sind hier übrigens auch zu finden, sie sind recht leicht
an grellgelben Regenjacken zu erkennen, die sie, wie ich mir hab
sagen lassen auch im Hochsommer in einer stickigen Nation
(Clubhäuser, wo sich das Studentenleben abspielt) nicht ausziehen -
Sicherheit geht halt vor. *g* Ansonsten sinds aber mehr
Footballteams als professionelle Sicherheitsdienste. Professionelle
finden sich nur in Diskotheken & Bars ausserhalb der Nations.
-- Vorgestern hat es ein wenig geschneit. Soll heissen 30 cm
Neuschnee an einem Abend, was den Gang zur Nation (wir erinnern uns,
man ist grundsätzlich mit dem Fahrrad unterwegs) zu einem Erlebnis
der ganz besonderen Art macht !!
Heute waren wir Schlittenfahren, angesichts der Tatsache, dass
nicht wenig Internationals zum ersten Mal Schnee gesehen haben,
hats natürlich auf doppelt Spass gemacht. Da wir natürlich keine
Schlitten haben, wurde auf Aldi-Tüten und IKEA-Taschen umgesattelt.
Macht es nur etwas schmerzhafter auf der Todespiste.......
Sooo...jetzt werde ich erstmal wieder etwas für die Uni tun und
heute abend hoffentlich noch was von meiner neuen Tandempartnerin
hören, eine Schwedin, die Deutsch lernen will, während ich
Schwedisch lernen will. Ist um einiges günstiger als einen weiteren
Schwedischkurs zu belegen und vielleicht eine Möglichkeit ein paar
Schweden kennenzulernen, die sich sonst (zumindest nüchtern) sehr
reserviert den Internationals gegenüber verhalten.
Betrunken sind Schweden übrigens völlig!! anders drauf als nüchtern.
Aber dazu vielleicht später mehr.
Liebe Grüße,
Hejdå
Stefan
PS:
IKEA's sehen übrigens nicht nur in Deutschland alle gleich aus,
sondern auch in Schweden und Singapore(!)
hier bekommt ihr meinen zweiten "Schweden-Newsletter". Ich war
Donnerstag und Freitag zum ersten Mal in der Uni (also
studienmässig meine ich) und muss sagen, dass sich der Uni-Alltag
etwas von dem einer deutschen Uni unterscheidet.
Zunächst einmal ist es üblich den Professor zu "Duzen". Es gibt
zwar im Schweden auch das Du=Du und das ni=Sie, nach der "Du-Reform"
im letzten Jahrhundert, geht man aber wohl ziemlich zügig bzw.
sofort zum Du über. Der Umgang in den Kursen ist um einiges weniger
autoritär und vielmehr freundschaftlich und hilfsbereit. Die
Schweden haben im Gegensatz zu den Deutschen schon längst erkannt,
dass die wichtigste Ressource in ihrem Land "Know-How" heisst.
Demzufolge wird auch entsprechend in die Bildung investiert und
Sprüche wie "faules Studentenpack" sind hier glaube ich viel
seltener zu hören als irgendwo sonst.
Wie ich es bisher mitbekommen habe, scheint der Schwede an sich
auch viel stärker "sozialisiert" zu sein. Soll heissen die Familie,
oder genauer der Nachwuchs wird hier viel höher gehandelt als
vielleicht woanders - Bei nur 9 Millionen Einwohnern in ganz
Schweden wird kein Potential verschenkt, wie es Jan afaik mal
ausdrückte. So ist auch jeder Schwede daran interessiert, sich
selbst bestbringend in die Gesellschaft zu integrieren, sei es im
Job oder als Freiwilliger.
Insgesamt ist die Atmosphäre also als sehr angenehm zu bezeichnen.
Individualisten sind hier glaube ich viel seltener vertreten, was
sich natürlich auch in der Mode niederschlägt. Über 80% der
Schwedinnen sind momentan anhand ihrer engen Jeans und braunen
Stiefeln über der Hose zu erkennen.
Trotz des recht hohen Anteils von "Internationals" wie wir
Austauschstudenten uns nennen von etwa 1500/30000 Studenten, sind
Immigranten äussert selten zu finden.
Probleme wie man sie von der Marktstrasse in Menden oder vom Hbf in
Bochum kennt, sind hier also einfach mal *völlig* unbekannt.
Wer hier einer Schwedin einen sexistischen Spruch drücken würde,
wird wahrscheinlich einfach am nächsten Baum aufgeknüpft, und ich
halte es nicht für unwahrscheinlich, dass an dieser Tat zum
Grossteil Frauen beteiligt sein werden - Gleichberechtigung sieht
hier halt etwas anders aus *g*
So sieht auch eine Polizeistation etwas anders aus. Während man in
Deutschland manchmal über die "Mäuschen" in Dienstjacke lacht, habe
ich in der Polizeistation in Lund ausschliesslich Frauen in
leitenden Position gefunden. Die Männer sind quasi nur fürs "grobe".
A pro pro Polizei: Unsere Nachbar WG ist gestern albernderweise mit
einer Spielzeug-Pistole durch die Stadt gegangen. Dauert nicht lang,
bis 4 Polizisten in feinster SEK-Manier die jungs darauf
aufmerksam gemacht haben, dass das ja nicht so eine schlaue Idee
war. ;-)))
Securities sind hier übrigens auch zu finden, sie sind recht leicht
an grellgelben Regenjacken zu erkennen, die sie, wie ich mir hab
sagen lassen auch im Hochsommer in einer stickigen Nation
(Clubhäuser, wo sich das Studentenleben abspielt) nicht ausziehen -
Sicherheit geht halt vor. *g* Ansonsten sinds aber mehr
Footballteams als professionelle Sicherheitsdienste. Professionelle
finden sich nur in Diskotheken & Bars ausserhalb der Nations.
-- Vorgestern hat es ein wenig geschneit. Soll heissen 30 cm
Neuschnee an einem Abend, was den Gang zur Nation (wir erinnern uns,
man ist grundsätzlich mit dem Fahrrad unterwegs) zu einem Erlebnis
der ganz besonderen Art macht !!
Heute waren wir Schlittenfahren, angesichts der Tatsache, dass
nicht wenig Internationals zum ersten Mal Schnee gesehen haben,
hats natürlich auf doppelt Spass gemacht. Da wir natürlich keine
Schlitten haben, wurde auf Aldi-Tüten und IKEA-Taschen umgesattelt.
Macht es nur etwas schmerzhafter auf der Todespiste.......
Sooo...jetzt werde ich erstmal wieder etwas für die Uni tun und
heute abend hoffentlich noch was von meiner neuen Tandempartnerin
hören, eine Schwedin, die Deutsch lernen will, während ich
Schwedisch lernen will. Ist um einiges günstiger als einen weiteren
Schwedischkurs zu belegen und vielleicht eine Möglichkeit ein paar
Schweden kennenzulernen, die sich sonst (zumindest nüchtern) sehr
reserviert den Internationals gegenüber verhalten.
Betrunken sind Schweden übrigens völlig!! anders drauf als nüchtern.
Aber dazu vielleicht später mehr.
Liebe Grüße,
Hejdå
Stefan
PS:
IKEA's sehen übrigens nicht nur in Deutschland alle gleich aus,
sondern auch in Schweden und Singapore(!)
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